Freitag, 18. April 2008 um 23:21

Mit der Yacht "Tonga" in ein neues Leben

Namen, die klingen wie eine Sinfonie: Aruba, Curacao, Tonga. Schließe die Augen, und du denkst an Wärme, Palmen, endlosen Horizont und Wasser in einem überirdischen Türkis. Monika Lührs und Gerd Schulz werden das alles erfahren. Und zwar im wörtlichen Sinn, mit ihrem Segelboot. Sie sagen "Tschüß!" und reisen in ihrem Schiff um die Welt. Im Juni wird abgelegt. Endlich!

"Für mich war immer klar, dass ich irgendwann mal ganz auf einem Schiff lebe - jetzt ist es so weit", sagt Gerd Schulz (56) aus Schenefeld, der schon als Jugendlicher leidenschaftlich gern Kutter segelte. Es ist eine Passion, die auch nicht abreißt, als er Monika, seine andere große Liebe, kennen lernt. Gemeinsam gleiten sie mit "Aiolos", dem Gott des Windes, einem Folkeboot, über die Ostsee. Es folgt "Merlin", ein Waarschip, und Törns in die norwegischen Fjorde und den ostschwedischen Schärengarten

Und dann vor etwa fünf Jahren kommt "Tonga", eine Yacht, 12,80 Meter lang, 3,75 Meter breit, zwei Meter tief - ein Schiff zum Leben.

Jetzt vielleicht für immer. Wie das geht, mit 56 beziehungsweise 47 Jahren? "Wir haben immer auf dieses Ziel hingespart, hatten einen eher bescheidenen Lebensstandard, nicht alle drei Jahre ein neues Auto gekauft, und teure Restaurants hatten nie einen Reiz", sagt er. Man muss kein Millionär sein, und es gibt eben noch mehr als bloß Konsum.

Das Gefühl von Ungebundenheit beispielsweise. "Immer, wenn wir im Sommer vier Wochen gesegelt sind und in der letzten Woche auf dem Rückweg waren, sank die Stimmung spürbar", erzählt Monika Lührs. Nicht, dass Gerd seine Arbeit als Entwicklungsleiter in einem feinmechanischen Betrieb keinen Spaß gemacht hat. Auch Monika als Physiotherapeut hat ihren Klienten immer gern geholfen: "Wir werden bestimmt viel vermissen - aber jetzt wollen wir in der Wärme segeln!"

Langeweile wird's nicht geben. "Segeln ist genial. Da ist man nie perfekt, es gibt immer neue Herausforderungen", sagt Gerd Schulz. Es sind Ansprüche, die sie auf Nord- und Ostsee bewusst gesucht haben. "Wir sind bei acht Windstärken noch rausgefahren, weil wir Erfahrungen sammeln wollten, damit wir später nicht überrascht werden."

Und der Kurs? "Von Wedel aus erst einmal die Elbe runter und dann links ab. Dann Niederlande, Belgien, Frankreich, quer über die Biscaya nach Madeira, so dass wir im Oktober auf den Kanaren sind." Dort wird das Schiff für den etwa 2300 Meilen langen Schlag über den "großen Teich" klar gemacht - Ende November geht es Richtung Karibik. "Wir haben keinen festen Zeitplan, aber jede Menge Bücher", sagt Monika Lührs. Sicherlich sind Curacao, die St. Blas Inseln und andere Inseln dran, bevor es durch den Panama-Kanal in den Pazifik geht. Ein Ort allerdings ist fest im Auge: 21 Grad 12 Minuten 41Sekunden Süd und 175 Grad 9 Minuten 11 Sekunden West. Gerd Schulz erklärt: "Freunde haben nach dem Kauf unserer 'Tonga' gefrotzelt, dass da der Name wohl Programm ist. Damals haben wir abgewunken - jetzt schippern wir hin!"